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Grundlagen und Prinzipien der Projektarbeit Was ist anders in einem Projekt? Die Mitarbeit im Projekt ist anders, als die Arbeit in der Linienorganisation. Potentiellen Teammitgliedern muss das klar sein. Es ist verlockend, bei einem Projekt dabei zu sein. Das gilt besonders, wenn die Aufgabe im Unternehmen einen hohen Stellenwert hat und wenn Mitarbeiter davon ausgehen können, daß sie durch die Arbeit im Projekt von Anfang an "die Nase vorn" haben, wenn neue Technologien und neue Systeme eingeführt werden. Dennoch mag das Mitmachen im Projekt nicht für jeden das Ideale sein. Typisch für die Arbeit in der Linienorganisation sind die vertraute Umgebung, die bekannte Aufgabe und die Möglichkeit, durch Routine die Arbeit zu erleichtern. In der Linie ist die Hierarchie eine dauerhafte Struktur. Es gibt " Dienstwege " , die jeder kennt und somit bewusst einhalten," abkürzen " oder umgehen kann. Die Mitarbeiter können sich hier wie in "vertrautem Revier" fühlen. Für das Projekt gilt ein anderer Arbeitsstil. Hier müssen die Mitarbeiter mehr Unsicherheiten aushalten können. Die Aufgabe bietet nicht die Entlastung einer Routine, sondern ist ungewohnt und mag vielleicht zunächst unüberschaubar sein. Anforderungen können häufig und überraschend wechseln. Die Hierarchie ist nicht gefestigt. Die Arbeit beschränkt sich nicht auf die vertraute Umgebung. Es sind Kontakte und Kommunikation mit Bereichen außerhalb des Projektes und außerhalb des eigenen Fachgebietes notwendig. Da die Projektorganisation nur ein Gebilde auf Zeit ist, besteht auch nicht die Aussicht auf eine feste "Position" in einem Hierarchiegebilde. Während für den einen die Möglichkeit einer Mitarbeit im Projekt eine Herausforderung ist, eine Chance, sich auch einmal außerhalb der gewohnten Umgebung zu bewähren, so kann es für den anderen eher lästig oder sogar bedrohlich sein. Jeder Mitarbeiter sollte für sich entscheiden können: Will ich das überhaupt? Spielregeln und Prinzipien Da sich in einem Projekt keine Routine entwickelt, die einen für alle vertrauten Arbeitsrahmen schafft, und weil Projekte häufig unter besonderem Druck stehen, müssen bestimmte "Spielregeln" und Prinzipien beachtet werden. 1. Ziele Gleichermaßen ist immer wieder zu hinterfragen: Projektziele werden vereinbart mit der Absicht, sie bis zum Schluss in
der festgelegten Form zu verfolgen. Es ist nicht vorgesehen, dass sie
sich nachträglich wieder ändern. Alle Pläne und Schätzungen
sind an ihnen orientiert. Trotzdem kann es vorkommen, dass nachträgliche
Zieländerungen notwendig werden. Das muss letztlich der Auftraggeber
entscheiden, denn: Es ist jedoch die Verantwortung des Projektleiters, den Auftraggeber sofort zu informieren, wenn sich die Notwendigkeit für Zielkorrekturen abzeichnet. Zieländerungen dürfen nur in schriftlicher Form und nach einem im Change Management (s.u.) festgelegten Verfahren durchgeführt werden. 2. Organisation Innerhalb eines Projektes legt die Organisationsform die Aufgaben und Kompetenzen fest. Auch die Informationswege orientieren sich an ihr. Alle Beteiligten müssen sich daran halten. 3. Schätzung Für realistische Schätzungen sind Erfahrungen aus vergleichbaren
Projekten eine große Hilfe. Damit später die Erfahrungen aus
dem aktuellen Projekt auch verfügbar sind, müssen sie (auch
für nicht Beteiligte) nachvollziehbar dokumentiert werden: 4. Planung Auch die Pläne finden sich nachvollziehbar dokumentiert (inkl. aller
Abweichungen und Anpassungen) in den Projektunterlagen wieder. Genau wie
bei den Schätzungen muss daraus hervorgehen: Die Pläne sind dazu da, dass sich alle daran halten. Das tut die Realität leider oft nicht. Deshalb wird es in Projekten immer wieder zu Anpassungen und Änderungen der Pläne kommen. Das Team muss darauf eingestellt sein. Sollten sich für Ihre Mitarbeiter auf Grund von Planänderungen neue Aufgaben oder andere Zeiteinteilungen ergeben, dann darf die Antwort nicht heißen: "In dem Plan, den ich damals bekommen habe, steht aber...".Eine solche Einstellung passt nicht zu Projektmitarbeitern. 5. Kontrolle und Steuerung Kontrolle und Steuerung sind die Hauptaufgaben des Projektleiters im laufenden Projekt. Die Pläne werden in Aktivitäten umgesetzt. Es müssen nun ständig Soll-Ist-Vergleiche durchgeführt werden. Aus den Ergebnissen dieser Vergleiche sind Entscheidungen abzuleiten. Das ist die Kunst des Projektleiters. Bei der Planung müssen sich der Projektleiter selbst und sein Auftraggeber bewusst machen: Die Kontrolle und Steuerung kostet Zeit. Man kann das nicht nebenher machen. Ein Projektleiter, der seine eigene Person voll für die" Arbeit" miteingeplant hat, kommt später unter Zeitdruck. Wenn der Projektleiter vor lauter Mitarbeit an der Entwicklung keine Zeit mehr haben für "unsichtbare" Tätigkeiten wie Kontrolle und Steuerung (und: Nachdenken, Team motivieren, ..) , dann ist sein Projekt einem führerlosen Schiff vergleichbar. Man kann ein Projekt in dieser Hinsicht auch mit einem gut geführten Restaurant vergleichen: Da rennt der Wirt auch nicht mit den Kellnern um die Wette. Er hält sich persönlich aus dem Service heraus, hat alles im Blick und nimmt hier und dort mal einen schmutzigen Teller mit. Daran sollte sich ein Projektleiter durchaus ein Beispiel nehmen. 6. WBS WBS kann auch bedeuten, dass die Gesamtaufgabe in Teilaufgaben gegliedert wird. Entsprechend werden Teilprojekte mit jeweils festen Aufgaben und Ergebnisanforderungen gebildet. Die Arbeit des Teilprojektes wird von einem Teilprojektleiter verantwortet. Ziel des WBS ist es, die Komplexität in eine überschaubare Struktur zu bringen und somit die Gesamtaufgabe zu vereinfachen. 7. Flexibilität und Souveränität Wenn ein Projekt gescheitert ist, wird sich der Projektleiter vergeblich
um Anerkennung bemühen, wenn er nachweisen kann, dass er sich pingelig
genau an das Vorgehenskonzept gehalten hat. Von einem Projektleiter wird
die Souveränität erwartet, das Konzept den gegebenen Realitäten
entsprechend flexibel anzuwenden. 8. Aus- und Einwirkungen Es kann Verzögerungen, unnötigen Stress und vermeidbaren Ärger verursachen, wenn Aus- und Einwirkungen erst auf die letzte Minute erkannt werden. Denken Sie frühzeitig an alle Aus- und Einwirkungen. Informieren
Sie lieber zu früh als zu spät. Erinnern Sie auch ruhig noch
einmal. Andere Menschen möchten sich auch gerne darauf einrichten,
was auf sie zukommt und nicht mit plötzlichen Anforderungen überrascht
werden. Fast immer ist es empfehlenswert, Vereinbarungen schriftlich zu treffen.
Die meisten Menschen haben ein ebenso schlechtes Gedächtnis wie man
selbst und viele Vereinbarungen und Zusagen werden leider erst dann wirklich
ernst genommen, wenn sie schriftlich fixiert wurden. Die Vereinbarung
muß enthalten: Die Ziele solcher Hinweise und Vereinbarungen sind: Befolgt man diese Grundsätze, sind zumindest die Randbedingungen für ein erfolgreiches Projekt geschaffen. Alle diese Verfahrenshinweise ersetzen aber keinen erfahrenen und kompetenten Projektleiter, der weiß wie Projekte gesteuert und Mitarbeiter geführt werden müssen um zu einem Erfolg zu kommen. Der menschliche Aspekt wird sehr oft nicht genügend beachtet und ist deshalb der Grund für das Scheitern von vielen Projekten.
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